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„Die Arbeitsgesellschaft überwinden durch radikale Arbeitszeitverkürzung und Grundeinkommen“

Eine Nachlese zum Vortrag von Michael Hirsch vom 11.11.2017.  Im Zentrum des sehr kenntnisreich und  umfassend angelegten Vortrages stellte Hirsch die Idee einer ‚platonischen Arbeitsgesellschaft‘. Mit diesem Begriff, so seine These, lasse sich ein ideengeschichtlich relevanter  Zugang‘ zum Thema Arbeit und Arbeitsgesellschaft finden. Mit ihm kann die Sicht auf das Selbstverständnis von Arbeit aber auch das gesellschaftliche Verständnis von Arbeit erweitert werden. Im Rückgriff auf Platon erklärt er, wie die Entstehung des Paradigma der „Notwendigkeit der permanenten Arbeit für alle“ entstand. Platon vertritt als eine der höchsten Formen der Gerechtigkeit im guten Staate die Ansicht, dass wie im Sprichwort ein Schuster bei seinen leisten bleiben soll! Das heiße nicht,  dass der Schuster gute Schuhe machen soll, sondern dass er erkennt nur Schuster zu sein und nicht Politiker, Künstler, Philosoph. Es gehe darum, dass jedermann sich seiner Stelle in der Gesellschaft bewusst ist,  als Platzhalter eben diese Stelle ausfüllt und sich nicht dazu berufen fühlen soll, sich irgendwo anders einzumischen. Von dieser Standortbestimmung schlägt er  einen großen Bogen über die Reformation, Marx und Frankfurter Schule zu den Begriffen Arbeitsplatz und Arbeitsstelle. Es komme eben nicht auf die Arbeit selbst an, die wir tun, sondern darauf eben diese Stelle auszufüllen und damit seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Das zeige sich auch in der modernen Beschäftigungsgesellschaft. Maßgeblich seien die Wertschätzung, die Anerkennung und der Platz in der Gesellschaft, die sich aus dem Besitz eines Arbeitsplatzes ableiten. Der Kampf um den Arbeitsplatz ersetze in gewisser Weise den Arbeitsplatz selbst und stellt damit soziale Funktionen und Ordnung her. Es gehe dabei zu wie in dem Kinderspiel: Reise nach Jerusalem. Die Vollzeitbeschäftigung aller Einzelnen wird so zum obersten Gebot der platonischen Arbeitsgesellschaft.

Ergänzt um etliche, detailreich vorgetragene Exkurse (Neoliberalismus, Wachstum, Marktwirtschaft) wies er, bezogen auf die Überwindung der heutigen neoliberalen Arbeitsgesellschaft, darauf hin, wie wir uns von diesen Prägungen und Zurichtungen emanzipieren könnten.

Die Linke, die linken Intellektuellen haben sich zu weit von den Ideen von sozialer Gerechtigkeit entfernt, die immer von der ökonomischen Auskömmlichkeit einer materiellen Existenz der Menschen ausgehen muss. Wer links und rechts für überkommene Konzepte hält und den Begriff der Klasse in den Keller der Geschichte entsorgen möchte, habe schließlich auch keine Vorstellungen und  Utopien vom guten Leben anzubieten.  Kurz:  der verzichte auch auf emanzipatorische Inhalte.

Dieser Mangel in der Ideenbewirtschaftung  dient immer den Mächtigen und den bestehenden Hierarchien. Und wie zuletzt sichtbar wird „den Rechten von AFD bis Trump.

Folgerung: unsere Visionen und Utopien und somit unsere Forderungen sind zu klein und möglicherweise deshalb nicht mehrheitsfähig- konsensfähig. Wir müssen uns Entwürfe überlegen, wie Arbeit, Gerechtigkeit (Besteuerung), Wachstum (Welches?), Ökologie, Technik (Digitalisierung)  und Demokratie künftig mit fortschrittlichen, emanzipatorischen Vorstellungen vom guten Leben zu versöhnen sind.

Und was wäre da besser geeignet als Arbeitszeitverkürzung und ein Grundeinkommen.

 

Michael Hirsch ist auch derAutor der profunden und sehr lesenswerten Studie:  Die Überwindung der Arbeitsgesellschaft: Eine politische Philosophie der Arbeit (Springer 2016)

Die Partei die Linke zeigt sich nachdenklich.

In ihrem Beitrag: Gesellschaftliche Kämpfe, Realpolitik und das Bedingungslose Grundeinkommen plädieren Antje Feiks und Thomas Dudzak dafür, sich dem Thema BGE  zu stellen und daraus eine weitergehende Vision einer solidarischen und freien Gesellschaft zu entwickeln.  So heißt es im Text. „Wir wollen über Ansätze eines Lebens in Gleichheit und größtmöglicher Freiheit für alle Menschen reden – über die gleiche Freiheit eines Lebens in Menschenwürde.“

Na dann mal los!

http://www.neues-deutschland.de/artikel/964202.nennen-wir-es-sozialismus.html

Zukunftsbörse „Leben und Leben lassen“

Wir nehmen als Initiative an der Zukunftsbörse „Leben und Leben lassen“ teil. Unser Stand wird am
am Wochenende 07./08. Februar 2015 in der ehemaligen Zentrifuge aufgebaut. An diesem Wochenende werden u.a. Händler ihre nachhaltigen Produkte an (Kleidung/ Nahrung/ Gebrauchsgegenstände, etc.) vorstellen und verschiedene Anbieter informieren zu ihren Ideen (Biokiste/ Ökostrom, etc.). Auch Tauschtische/-Regale sind im Programm.
Nebenan in der Kulturwerkstatt 141 wird zeitgleich zum Thema ein passendes Programm geboten: Vorträge, Workshops zum Selbermachen für Kinder und Erwachsene, Austausch von Informationen zu Netzwerken und alternativen Finanzierungsmodellen (Crowdfunding/-sourcing) stattfinden. Außerdem werden am Samstagabend Filme gezeigt.

AEG Gelände  Muggenhofer Straße 141

Samstag den 7.2.2015 von 13:00-20:00 Uhr                                                              und am Sonntag den 8.2.2015 von 11:00 bis 18:00h