Kaisers neue Kleider

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Im Märchen ist es ein Kind, dass das gemeinschaftliche Trugbild in Gelächter auflöst. Obwohl jede*r es sehen konnte, wollte es doch keiner wahrhaben: der Kaiser war nackt.  Und ein nacker Kaiser ist keine respektvolle Erscheinung. Ähnlich geistig nackt- ohne Konzept- stehen derzeit unsere Politiker dar.  Sie tragen den Anzug eines Sozialstaats auf, der, nach über 120 Jahren, so fadenscheinig ist, das er aus Luft gewirkt scheint.

Sie spinnen derzeit viele Fäden über die Zukunft der Arbeit, über den Wegfall von Arbeitsplätzen, über den Mangel an Arbeitskräften in Gesundheitssystem und Bildung, über neue Formen der Arbeit ohne feste Stundenzahl, über die zahlreichen Start up Unternehmer, die sich nicht in eine reguläre Erwerbstypographie einorden lassen. Viel unsichtbarer Stoff wird auch für die Finanzierung von Renten,  die Textur des Sozialstaats, der Infastruktur und der Bildung in einer älter und meistenteils ärmer werdenden Gesellschaft verwoben. Einer Gesellschaft, der mit einiger Sicherheit die Erwerbsarbeit – an der doch alles hängt- überwiegend abhanden gehen wird. Viel unsichtbares Gespinst wird auch hergestellt, wenn es um die alternativlose private Vorsorge geht , die absurderweise von gering Verdienenden und prekär Beschäftigten eine Sparleistung fordert, die eben diese niemals werden erbringen können.

Auch die Forderung nach einem völkischen  Nationalstaat ist so ein Hirngespinst.  Auf unselige Weise wird hier mit dem ausgrenzenden Nationalstaat das Fortbestehen des Sozialstaates verwoben. Wenn wir uns nur „die Fremden“ vom Halse schaffen, bleibt genug für „uns“ über. Welch ein Irrtum.

Bei all diese Themen gockeln die meisten Politiker und Parteien  in scheinbar prächtigen Gewändern durch die Lande und stehen doch weitgehend nackt dar. Das scheint auch einigen öffentlich-rechtlichen Journalisten und Medien aufzufallen. In der Themenwoche Zukunft der Arbeit  wird ernsthaft und kritisch auch das Grundeinkommen mitdiskutiert. Das ist ein Fortschritt, zweifellos.

 

 

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